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Das Alte Gewandhaus

Der Bauplatz für das Gewandhaus entstand erst mit dem Abbruch der alten inneren Stadtmauer in den Jahren 1546-56. In diesem Zeitraum erfolgte durch Caspar Voigt von Wierand die Erweiterung der Stadtbefestigung, die auch die Frauenvorstadt einbezog. Durch diese Verlagerung der Stadtfestung änderte sich die Aufteilung der Gebäude am Neumarkt und ließ Platz für eine neue bürgerliche Bebauung mit den in der Renaissance typischen Giebelhäusern.

Auf dem gewonnenen Platz sollte nach dem Willen des Kurfürsten Christian I. ein repräsentatives Gewandhaus entstehen, welches nach seinen Vorstellungen als Ersatz für das alte Rathaus auf dem Altmarkt dienen sollte. Nach Gurlitt versprach er deshalb „...reiche Unterstützung an Geld, Stämmen und Ziegeln, wenn die Dresdner Bürger spätestens Lichtmess 1592 zu bauen beginnen wollten". Der unerwartete Tod des Kurfürsten ermöglichte es dem Stadtrat, das Rathaus auf dem Altmarkt stehen zulassen und eine einfache und schlichtere Ausführung der Fleischbänke (Gewandhaus) zu veranlassen. Mit der Planung und der Bauleitung wurde Paul Buchner beauftragt. In den Jahren 1591/92 entstand ein langes von der Frauenstraße bis zum Jüdenhof reichendes Gebäude, das den Ratskeller und im Erdgeschoss Verkaufsstände für die Fleischer, Tuchmacher und Schuster beherbergte. Im großen Saal des Obergeschosses versammelten sich die Landstände zugleich konnten dort Vorstellungen und Festlichkeiten durchgeführt werden.  Das schmuckarme, zweistöckige Gebäude hatte zum „Neuen Markte" hin ein hohes Satteldach und drei Giebel.   

Während des Barocks wurde ein Teil der hochgiebeligen Bürgerhäuser am Jüdenhof und Neumarkt nach und nach in „moderne" Gebäude umgebaut oder durch diese ersetzt. Durch Pöppelmann, Fehre u.a. gab es Planungen für den Neubau eines Gewandhauses in barocker Architektur, die jedoch nicht umgesetzt wurden. Infolge preußischen Artilleriebeschusses im Juli 1760 kam es am alten Gewandhaus, der gegenüberliegenden Altstädter Wache sowie umliegender Wohnbebauung zu erheblichen Schäden. Offensichtlich wurde dies als gute Gelegenheit genutzt, um die schon lange ins Auge gefasste Platzgestaltung zu forcieren. Im Falle des alten Gewandhauses herrschte vermutlich Uneinigkeit über die weitere Vorgehensweise. Während jahrzehntelanger Planungsstreitigkeiten wurde es nach Kriegsende noch bis 1791 für staatliche Verwaltungszwecke genutzt. Erst dann erfolgte aus städtebaulichen Gründen der Abriss des veralteten Renaissance-Gebäudes. Seither blieb das Grundstück unbebaut.

Der an dieser Stelle geplante Neubau der Hauptwache scheiterte etwas später  hauptsächlich an finanziellen Schwierigkeiten des Hofes. In der napoleonischen Besatzungszeit wird der Bebauungsvorbehalt des Hofes für das Grundstück ignoriert.  Die bis zum Abriss des Gewandhauses nur rückwärtig angrenzenden Gebäude werden nun durch die Eigentümer  mit Platzfassaden zur Frauenkirche versehen.

Bis zum 13. Februar 1945 blieb der Neumarkt in seiner barocken Formensprache im Wesentlichen unverändert.